3. Fachkonferenz der Reihe
Migration, Medien und Partizipation

07.12.2018 / 9:00 – 17:00 Uhr
Universität Leipzig
Seminargebäude, Raum 420


Die Diversität in unserer Gesellschaft wächst und die kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt prägt immer stärker unseren Alltag. Eine der zentralen Aufgaben der massenmedialen Kommunikation sollte es sein, diese Entwicklung als unsere gemeinsame Realität anzunehmen und positiv zu gestalten. Sie sollte Partizipation und Repräsentation in der Gesellschaft ermöglichen. Die Thematisierung von Migrantinnen in den Medien in Deutschland weist jedoch nach wie vor erhebliche Defizite bis hin zu rassistischen oder populistischen Äußerungen auf. Immer noch wird in der Regel über Migrantinnen geredet anstatt mit ihnen. Auch in den Redaktionen fehlt weiterhin die Perspektive eben der Menschen die es vordringlich betrifft – die der Migrantinnen. Deswegen bleiben zwei Themen aktuell: zum einen die Vielfalt in der personellen Struktur von Redaktionen und Produktionsfirmen in Deutschland und zum anderen die Erweiterung der interkulturellen Kompetenz im Journalismusberuf, unabhängig von der ethnischen Herkunft der Medienschaffenden. Da sie in etablierten Medien unterrepräsentiert sind, setzen sich Migrantinnen selbst für ihre Rechte, für Gehör und Toleranz ein – gegen Rassismus und Hass. Selbstrepräsentation und eigene Medienproduktion zur authentischen Darstellung von Migrantinnen sowie Organisationen, die die Interessen der Medienschaffenden vertreten, bilden eine weitere Ebene in der Betrachtung von Medien für eine inklusive, partizipative Gesellschaft. Dieser Bereich wurde bisher wenig seitens der Massenmedien und seitens der Forschung beachtet, doch er ist von erheblicher Bedeutung.


Mit ihrem Medienschaffen ermöglichen MigrantInnen Teilhabe, sorgen für Vielfalt und eröffnen Wege in eine inklusive Gesellschaft „für alle“.

Seit einigen Jahren existieren zahlreiche Migrantinnenorganisationen, die ihre Ansprüche neu definieren und sich eher als „Neue Deutsche“ verstehen, denn als Einwanderinnen. Ihre Botschaft lautet: „Wir gehören dazu und wollen mitreden“. Für sie steht nicht mehr die Frage der Integration im Mittelpunkt, sondern die der Repräsentation. Mehrsprachige Migrantinnenmedien stellen in Deutschland eine Praxis dar, mit der die Sprechenden aufeinander Bezug nehmen. Sie setzen sich für eine ausgewogene und sachliche Berichterstattung zu Migrations- und Integrationsthemen ein und ermöglichen Teilhabe, wodurch sie eine bedeutsame Rolle für die Stärkung der Gemeinschaften und Individuen spielen. Diese Kommunikatorinnen wollen nicht nur über „Integrationsmaßnahmen“ reden, sondern über gleiche Rechte und Chancen. Die jahrelange Fixierung auf “die” Migrantinnen soll beendet werden und ein neues gesamtgesellschaftliches „Wir“ entstehen. In der postmigrantischen Gesellschaft übernimmt jede soziale Verantwortung für die Gemeinschaft.


Das „Wir“ in den Medien wächst.

Mit den erweiterten Möglichkeiten der Selbstrepräsentation in den digitalen Medien und durch den Aufbau einer eigenen Medienpraxis tragen Migrantinnen heute mehr zur Gestaltung des gesellschaftlichen „Wir“ bei. Es zählen nicht mehr nur Wahrnehmung und Darstellung von Migrantinnen in den klassischen Medien. Die Trägerstruktur sozialen und zivilgesellschaftlichen Engagements der Migrantinnen in Deutschland ist in Bewegung geraten. Kleine private Träger und Initiativen, gemeinnützige GmbHs, Stiftungen und Vereine sind als zivilgesellschaftliche Akteure ein nicht mehr wegzudenkender Faktor. Auffällig ist, dass Migrantinnenorganisationen in diesem Zusammenhang zwar wahrgenommen, jedoch meist nicht sichtbar einbezogen werden. Doch ihr Netzwerk ist gewachsen, ist dichter und professioneller geworden. Mit kommunikativen Mitteln können zivilgesellschaftliche Akteure Einfluss auf journalistische Berichterstattung nehmen und in der Öffentlichkeit auftreten. Hier setzt die Konferenz an.


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Die Fachkonferenz 2018

Mit der dritten Fachkonferenz lenken wir die Aufmerksamkeit auf Migrantinnen als Medienschaffende und auf Organisationen, die sie repräsentieren. Aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren wir über die Rolle von Kommunikation, Partizipation und Repräsentation in der postmigrantischen Gesellschaft.

Mögliche Fragestellungen:

  • Wie kommunizieren Migrantinnen mit der Öffentlichkeit? Was sind ihre Strategien?

  • Welche Deutungsmuster und Bezugsrahmen verwenden sie?

  • In welcher Weise werden die Themen und Botschaften in der Medienberichterstattung aufgegriffen?

  • Welchen Beitrag leisten Migrantinnen und ihre Repräsentantinnen für ein gesellschaftliches „Wir“ ?

Die Konferenz bietet eine Plattform für den Austausch zwischen Medienschaffenden (Partizipation), Interessen-vertretenden Organisationen (Repräsentation) und Fachmedien (Metakommunikation) und will Möglichkeiten der aktiven Partizipation an der Berichterstattung aufzeigen. Ferner werden aktuelle Wissenschaftsdebatten und empirische Studien- und Forschungsergebnisse praxisorientiert vorgestellt und reflektiert.

Die Veranstaltung startet mit Inputs von Forscherinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen. Es stellen sich Projekte aus unterschiedlichen Bereichen vor, die sich entweder für Repräsentation oder Partizipation von Minderheiten einsetzen. In verschiedenen Formaten (Vortrag und Diskussion) konkretisieren die Teilnehmenden ihre Themen, tauschen Erfahrungen aus, können Projektideen weiterentwickeln und Handlungsvorschläge formulieren.

Die Fachkonferenz-Reihe

Dieser Fachkonferenz vorangegangen sind zwei „Integrations-Fachkonferenzen“ – 2016 mit dem Motto „Vielfalt schätzen. Teilhabe stärken. Zukunft gestalten.“ und 2017 mit dem Titel „Medien, Migration und Integration – Auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft?!“. Das Anliegen der noch jungen Reihe ist es, Vertreterinnen aus Praxis und Forschung zusammenzubringen und einen Austausch anzuregen, von dem alle Seiten profitieren.

„Mein langfristiges Ziel war und ist eine alljährliche Fachkonferenz-Reihe Migration, Medien und Partizipation zu veranstalten, in der Beteiligte aus allen Bereichen zusammenkommen und die aktuellen und drängenden Fragen im Migrationsbereich in Deutschland nachhaltig diskutieren.

Durch die Reihe entsteht ein Forum für den Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Politik, Medien und Kommunikationswissenschaft, ein Forum zur Reflexion und Sensibilisierung aller Beteiligten für das Thema bzw. für Zusammenhänge zwischen Migration, Medien und Partizipation. Damit verbinde ich die Hoffnung, dass dadurch neue Erkenntnisse oder sogar Handlungsansätze für die Praxis, NGOs, Organisationen und Institutionen generiert werden.“

Dr. Hamidi
Ideengeber und Akademische Leitung der Fachkonferenz-Reihe

 

Wir freuen uns auf interessante und fruchtbare Debatten!

AnsprechpartnerInnen

Initiator und Akademische Leitung
Dr. Kefa Hamidi
Institut Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig

Konferenzkoordination
Isabel Herling
ZEOK e.V. und Kulturwissenschaftlerin

Konferenzort

Universität Leipzig
Seminargebäude, Raum 420

Universitätsstraße 1,
04109 Leipzig

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Auf dieser Seite gelten grammatisch feminine Personenbezeichnungen gleichermaßen für Personen männlichen und weiblichen Geschlechts. Männer können die Amts- und Funktionsbezeichnungen in grammatisch maskuliner Form führen.


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